Die sieben silbernen Regeln für eine schmucke Feier
Liebe Feierende,
Nachdem wir letztes Mal besprochen haben, was die absolute Grundvoraussetzung
zum Feiern ist (Lächeln), werden wir diesmal detaillierter. Seit Jahrshrillionen
feiern die Menschen zu allen möglichen Anlässen, etwa zur Sonnenwende, zum
Jahrestag der befleckten Empfängnis der eigenen Mutter oder aktuell die Pope
Parade. Über die Zeit haben sich einige wichtige Regeln herausgebildet, die auf
jeder Feier berücksichtigt werden sollten. Ja, Ihr habt richtig gelesen, es gibt
dabei Regeln; dieser „No-Rules“-Quatsch ist etwas für 17jährige Arztsöhne auf
Ischgl-Urlaub und das auch nur, bis die EC-Karte gesperrt wird.
1) Eine Party ohne Alkohol ist wie eine Party ohne Alkohol.
Hier gibt es nichts hinzuzufügen, ausser der Konsequenz, dass man sich
fernhalte. „Man kann auch ohne Alkohol lustig sein“ sagt jetzt der
Waldorfschüler altklug und beisst nochmal von seinem cholesterinfreien
Tofuburger ab. „Ja“, sage ich dann „und nun lade doch dieses hübsche Mädchen an
der Bar zu einem Getränk ein, und zwar nicht Champagner, sondern Diät-KiBa. Dann
wirst Du den Unterschied schnell feststellen“
2) Die Musik macht den Ton.
Von der Musik hängt die Stimmung auf jeder Party massgeblich ab. Und die
Musik wiederum hängt vom DJ ab. Hier ist die erste Sollbruchstelle, denn ein
guter DJ erkennt die feinsten geschmacksorientierten Schwingungen im Publikum
jederzeit. Er handelt nur keinesfalls danach, denn er ist eine arrogante Sau,
sonst wäre er nie DJ geworden; er möchte vorne stehen, aber auf keinen Fall mit
seinen Opfern sprechen. Statt sich nach Euch zu richten, wird er seine
künstlerischen Avantgarde-Ambitionen ausleben und bizarre
Konzept-Musikrichtungen spielen wie Albanian Drum’n’Drum. Es sei denn, er ist
schlecht gelaunt, dann hat er keine Lust auf anstrengende Kommunikation mit dem
Publikum, das er verachtet und spielt genau das, was die Leute hören wollen.
3) Wer tanzt, gewinnt.
Tanzt bitte mehr und besser. Gut, es ist nicht so, dass die meisten von Euch
schlecht tanzen - oder halt, doch, die meisten von Euch tanzen leider schlecht. Dabei ist es einfach. Erstmal die Augen zu, der Musik zuhören und
an Liebe denken. Achtet auf den Rhythmus, niemand will einen Sexualpartner,
der den Rhythmus nicht zu würdigen weiss, nicht mal Waldorfschüler. Dann schüttelt alle Körperteile wild zur Musik. Fragt nach zehn Minuten einen
unabhängigen Beobachter, ob Ihr dabei sexy, cool oder wenigstens unterhaltsam ausgesehen habt. Wenn nicht, dann habt Ihr auf ganzer Linie verloren. Stellt Euch an die Bar, besauft Euch hemmungslos und beweint Euer
verpfuschtes Leben mit den anderen, die auch nicht tanzen können. Ihr seid
dann eine aussterbende Art, denn Menschen, die nicht tanzen, vermehren sich
nicht.
4) Mode für Mädchen: Kleider kleiden, Röcke rocken, Hosen losen.
Gut, das ist jetzt etwas faschistoid. Es ist auch mehr als Empfehlung für die
Dame gemeint, und der Grund ist ein ganz einfacher. Extrem einfach. Der Grund
ist nämlich die beschränkte Wahrnehmung von Männern. Wenn der Mann den Eindruck
hat, es seien allgemein paarungsbereite Weibchen auf einer Feier, dann ist die
Feier für ihn eine gute. Und Kleider und Röcke vermitteln schon allein durch ihr
seltenes Auftreten im Alltag ein wesentlich sexualisierteres Bild als Hosen. Bei
vielen Hosen für Frauen schwingt immer so etwas angelamerkeliges mit und so sehr
kann kein Mensch die Männer an sich hassen. Ausser bei Jeans, die können auch so
sexy sein, aber die tragen alle ständig, das ist ja nun auch nicht der wahre
Jakob auf einer Feier.
5) Kleidung für Kerle: Konzept is King.
Für die Kleidung beim Mann gilt im Prinzip das Gleiche wie für seine Frisur.
Nämlich: bis auf Netzhemden, Röcke für Männer und Sakko mit Jeans darf man alles
tragen, wenn man die richtige Geschichte dazu erzählen kann. Natürlich sollte
man einkalkulieren, dass es mit neonpinkenen Bermudas schwierig ist, eine Frau
lange und stark genug festzuhalten, bis man ihr erklärt hat, was für eine irre
interessante Story hinter diesem Style-Debakel steckt. Dennoch: Interessanz ist
Trumpf. Denn lieber Herr, merke Dir eines: mit Frauen kann man eine Menge
anstellen ausser sie zu langweilen.
6) Andere ansprechend ansprechen.
Bitte stellt Euch folgendes vor: auf einer Party sind 200 Menschen und jeder
spricht nur mit den zweieinhalb Personen, die er kennt. Fällt Euch leicht
vorzustellen? Klar, denn so macht Ihr es ja bis jetzt auf fast allen Parties,
Ihr Pfeifen. Eine Feier ist also auch dazu da, andere, wildfremde Menschen
anzusprechen und so kennenzulernen. Das wird bis jetzt zu wenig getan, daher
möchte ich das an dieser Stelle forcieren mit einem Weltklasse-Tipp. Wenn Ihr
andere, unbekannte Menschen ansprecht, seid freundlich, offen und witzig, mit
einem Wort charmant, ausser Ihr seid Frauen und wollt Männer ansprechen, dann
reicht ein zweites Bier in der Hand und ein Schlafzimmerblick, also halbzue
Augen. Für Männer habe ich noch einen brandneuen, von mir entwickelten
Anmachspruch, der tatsächlich funktioniert, eigentlich eine Anmach-Frage:
„Hallo, wollen wir unverbindlich knutschen?“. Wenn diese, charmant
rüberzubringende Äusserung nicht funktioniert, Männer, dann seid Ihr entweder
verkrampft oder bizarr hässlich. Obwohl, bizarr hässlich könnte schon wieder
funktionieren, aber das ist ein anderes Thema.
7) Keiner steht auf rumstehen.
Sondern auf Rumlaufen und rumtrinken. Eigentlich selbstverständlich, aber der
Unterschied zwischen einem Stehempfang mit Musik und einer Party ist eigentlich
nur Tanzen und rumlaufen. Tanzen hatten wir oben schon, klar, das Zweite ist,
dass Ihr bitte nicht stundenlang rumsteht. Das hat sowas Unbeteiligtes und
gleichzeitig Ungeduldiges, da könnt Ihr ja gleich Euere Jacke anbehalten oder
draussen ein Taxi warten lassen oder die ganze Zeit mit der Frequenz von
taubstummen 14jährigen SMSsen oder am besten gar nicht erst auf die Party gehen.
Ich weiss, dass ich mit dieser Meinung zum Partynazi 2005 gewählt werde, aber
die stimmungsbefruchtenden Haltungen auf einer Party sind eher Tanzen,
Schlendern oder Knutschen.
Sascha Lobo