| start | galerien | kolumne | leistungen | kontakt  

Sascha Lobo | April 05

Die sieben silbernen Regeln für eine schmucke Feier

Liebe Feierende,
Nachdem wir letztes Mal besprochen haben, was die absolute Grundvoraussetzung zum Feiern ist (Lächeln), werden wir diesmal detaillierter. Seit Jahrshrillionen feiern die Menschen zu allen möglichen Anlässen, etwa zur Sonnenwende, zum Jahrestag der befleckten Empfängnis der eigenen Mutter oder aktuell die Pope Parade. Über die Zeit haben sich einige wichtige Regeln herausgebildet, die auf jeder Feier berücksichtigt werden sollten. Ja, Ihr habt richtig gelesen, es gibt dabei Regeln; dieser „No-Rules“-Quatsch ist etwas für 17jährige Arztsöhne auf Ischgl-Urlaub und das auch nur, bis die EC-Karte gesperrt wird.

1) Eine Party ohne Alkohol ist wie eine Party ohne Alkohol.
Hier gibt es nichts hinzuzufügen, ausser der Konsequenz, dass man sich fernhalte. „Man kann auch ohne Alkohol lustig sein“ sagt jetzt der Waldorfschüler altklug und beisst nochmal von seinem cholesterinfreien Tofuburger ab. „Ja“, sage ich dann „und nun lade doch dieses hübsche Mädchen an der Bar zu einem Getränk ein, und zwar nicht Champagner, sondern Diät-KiBa. Dann wirst Du den Unterschied schnell feststellen“

2) Die Musik macht den Ton.
Von der Musik hängt die Stimmung auf jeder Party massgeblich ab. Und die Musik wiederum hängt vom DJ ab. Hier ist die erste Sollbruchstelle, denn ein guter DJ erkennt die feinsten geschmacksorientierten Schwingungen im Publikum jederzeit. Er handelt nur keinesfalls danach, denn er ist eine arrogante Sau, sonst wäre er nie DJ geworden; er möchte vorne stehen, aber auf keinen Fall mit seinen Opfern sprechen. Statt sich nach Euch zu richten, wird er seine künstlerischen Avantgarde-Ambitionen ausleben und bizarre Konzept-Musikrichtungen spielen wie Albanian Drum’n’Drum. Es sei denn, er ist schlecht gelaunt, dann hat er keine Lust auf anstrengende Kommunikation mit dem Publikum, das er verachtet und spielt genau das, was die Leute hören wollen.

3) Wer tanzt, gewinnt.
Tanzt bitte mehr und besser. Gut, es ist nicht so, dass die meisten von Euch
schlecht tanzen - oder halt, doch, die meisten von Euch tanzen leider schlecht. Dabei ist es einfach. Erstmal die Augen zu, der Musik zuhören und an Liebe denken. Achtet auf den Rhythmus, niemand will einen Sexualpartner, der den Rhythmus nicht zu würdigen weiss, nicht mal Waldorfschüler. Dann schüttelt alle Körperteile wild zur Musik. Fragt nach zehn Minuten einen unabhängigen Beobachter, ob Ihr dabei sexy, cool oder wenigstens unterhaltsam ausgesehen habt. Wenn nicht, dann habt Ihr auf ganzer Linie verloren. Stellt Euch an die Bar, besauft Euch hemmungslos und beweint Euer verpfuschtes Leben mit den anderen, die auch nicht tanzen können. Ihr seid dann eine aussterbende Art, denn Menschen, die nicht tanzen, vermehren sich nicht.

4) Mode für Mädchen: Kleider kleiden, Röcke rocken, Hosen losen.
Gut, das ist jetzt etwas faschistoid. Es ist auch mehr als Empfehlung für die Dame gemeint, und der Grund ist ein ganz einfacher. Extrem einfach. Der Grund ist nämlich die beschränkte Wahrnehmung von Männern. Wenn der Mann den Eindruck hat, es seien allgemein paarungsbereite Weibchen auf einer Feier, dann ist die Feier für ihn eine gute. Und Kleider und Röcke vermitteln schon allein durch ihr seltenes Auftreten im Alltag ein wesentlich sexualisierteres Bild als Hosen. Bei vielen Hosen für Frauen schwingt immer so etwas angelamerkeliges mit und so sehr kann kein Mensch die Männer an sich hassen. Ausser bei Jeans, die können auch so sexy sein, aber die tragen alle ständig, das ist ja nun auch nicht der wahre Jakob auf einer Feier.

5) Kleidung für Kerle: Konzept is King.
Für die Kleidung beim Mann gilt im Prinzip das Gleiche wie für seine Frisur. Nämlich: bis auf Netzhemden, Röcke für Männer und Sakko mit Jeans darf man alles tragen, wenn man die richtige Geschichte dazu erzählen kann. Natürlich sollte man einkalkulieren, dass es mit neonpinkenen Bermudas schwierig ist, eine Frau lange und stark genug festzuhalten, bis man ihr erklärt hat, was für eine irre interessante Story hinter diesem Style-Debakel steckt. Dennoch: Interessanz ist Trumpf. Denn lieber Herr, merke Dir eines: mit Frauen kann man eine Menge anstellen ausser sie zu langweilen.

6) Andere ansprechend ansprechen.
Bitte stellt Euch folgendes vor: auf einer Party sind 200 Menschen und jeder spricht nur mit den zweieinhalb Personen, die er kennt. Fällt Euch leicht vorzustellen? Klar, denn so macht Ihr es ja bis jetzt auf fast allen Parties, Ihr Pfeifen. Eine Feier ist also auch dazu da, andere, wildfremde Menschen anzusprechen und so kennenzulernen. Das wird bis jetzt zu wenig getan, daher möchte ich das an dieser Stelle forcieren mit einem Weltklasse-Tipp. Wenn Ihr andere, unbekannte Menschen ansprecht, seid freundlich, offen und witzig, mit einem Wort charmant, ausser Ihr seid Frauen und wollt Männer ansprechen, dann reicht ein zweites Bier in der Hand und ein Schlafzimmerblick, also halbzue Augen. Für Männer habe ich noch einen brandneuen, von mir entwickelten Anmachspruch, der tatsächlich funktioniert, eigentlich eine Anmach-Frage: „Hallo, wollen wir unverbindlich knutschen?“. Wenn diese, charmant rüberzubringende Äusserung nicht funktioniert, Männer, dann seid Ihr entweder verkrampft oder bizarr hässlich. Obwohl, bizarr hässlich könnte schon wieder funktionieren, aber das ist ein anderes Thema.

7) Keiner steht auf rumstehen.
Sondern auf Rumlaufen und rumtrinken. Eigentlich selbstverständlich, aber der Unterschied zwischen einem Stehempfang mit Musik und einer Party ist eigentlich nur Tanzen und rumlaufen. Tanzen hatten wir oben schon, klar, das Zweite ist, dass Ihr bitte nicht stundenlang rumsteht. Das hat sowas Unbeteiligtes und gleichzeitig Ungeduldiges, da könnt Ihr ja gleich Euere Jacke anbehalten oder draussen ein Taxi warten lassen oder die ganze Zeit mit der Frequenz von taubstummen 14jährigen SMSsen oder am besten gar nicht erst auf die Party gehen. Ich weiss, dass ich mit dieser Meinung zum Partynazi 2005 gewählt werde, aber die stimmungsbefruchtenden Haltungen auf einer Party sind eher Tanzen, Schlendern oder Knutschen.

Sascha Lobo


<< Sascha Lobo | Mai 05   Sascha Lobo | März 05 >>
  hier newsletter anfordern  | |  © 2005 ProfiLackTisch  |  Webdesign: form[at]²