Koolumne „Lächeln erlaubt“
Nachtleben Trendletter Fäkalausgabe
Fluchen kommt wieder, Ihr schlechtgefickten Brotspinnen (© Tex Rubinowitz)!
Hopsa, ich muss mich entschuldigen, mit einer solchen Beleidigung angefangen zu
haben. Aber die Zeiten werden rauher, und das macht sich natürlich auch in der
Sprache bemerkbar, die sich auf der Strasse immer hafennuttiger anhört. Siehe
unten.
+++ Geld +++
Überraschung: Geld kommt wieder in Mode. Wie, fragen Unwissende jetzt, war es
denn auch mal ausser Mode? Klar, während der bigamistischen Hochzeit von
Kartenzahlung, Eurotief und Wirtschaftskrise vor drei, vier Jahren war Geld so
scheissout, dass man überlegt hat, es ganz abzuschaffen. Ich selbst war im Zuge
der New Economy Vorreiter dieses Trends und hatte schon nach kurzer Zeit gar
keins mehr. Bzw. hätte damals etwa 40.000 Euro gebraucht, um kein Geld zu haben.
Die Zeiten sind vorbei, man trägt wieder Bargeld mit sich rum, man zahlt wieder
cash, man kauft wieder live. Die konsumgeilen Massen haben richtig erkannt:
shoppen mit Karte ist wie Ficken mit Kondom: oft notwendig, aber auf Dauer nicht
der wahre, verschissene Jakob. Und: alle, alle gehen wieder shoppen! Die Ärmeren
hören halt nur wieder am 4. des Monats auf.
+++ Wodka +++
Es ist an der Zeit, einen Branntwein zu loben, der einen stets daliegen lässt
wie ein Wels in der Brandung. Ein Wässerchen, das einem glasklar in die Augen
sieht und sagt: „Höre Bürschlein, ich habe schon ganz andere kleingekriegt, von
Rasputin bis Vladimir Putin.“ Ein Gesöff, von dem man sich auch nach dem
hundertsten Horrortag danach noch einreden kann, dass es „keinen Kater macht,
weil es so rein ist“. Die Rede ist von Wodka und dem Knallerdrink
„Hildegard-Knef-Gedenk-Gedeck“. Das ist nämlich Wodka mit Champagner. Damen
trinken es in zwei verschiedenen, angemessenen Gläsern, Bauarbeiter schütten
beides zusammen. Es ist ein sogenannter Sitzdrink, denn man trinkt lustig im
Sitzen vier, fünf Stück davon weg wie Waldmeisterbrause, dann versucht man
aufzustehen und merkt, dass es nicht geht, weil man massiv einen sitzen hat.
+++ Riesenmaschine.de +++
Viele Menschen fragen mich: Sascha, einmal im Monat gräbst Du für uns die
neuesten gesellschaftlichen Trends aus, danke für diese fantastische Leistung,
aber was machst Du eigentlich tagsüber? Ich sage es Euch: das Gleiche. Mein
neues Projekt ist nämlich
http://riesenmaschine.de - das ist eins von diesen Weblogs, von denen man
heute soviel hört. Nur eben ein professionelles, weil da in erster Linie
professionelle Schreiber schreiben. Aber eben auch ich. Und wenn es nur halb so
lustig beim Lesen ist wie beim Schreiben, dann ist es beim Schreiben mindestens
doppelt so lustig wie beim Schreiben! Ja, Ihr seht, ich bin mir für kein noch so
bärtiges, von Pat & Patachon geklautes Wortspiel zu schade. Schaut einfach
hinein.
+++ Fluchen +++
Ich schrieb es oben schon, fluchen ist wieder en Vogue. Man schlägt verbal
wieder auf die Kacke und lässt es ordentlich spritzen. Wahrscheinlich zum
Aggressionsabbau, wer weiss schon, was das abgefuckte, fickdumme Volk da
draussen bewegt. Eventuell ist der Trend von den fucking americans durch die
zugeschissene Kanalisation zu uns gefloddert. Die Zwölfjährigen auf der Strasse
reden bereits, als wären sie in der Tourette-Selbsthilfegruppe von Sido
Stammgäste, verfickte Scheisse nochmal! Da ist doch ein kackeverschmierter
Fehler im scheissnuttigen System! Lernen die schmierigen Wixer keine Manieren zu
Hause? Aber auch die in Deutschland neu auf den Markt gekommenene Zeitschrift
VICE, in Kananda ein lustiger Superknaller, glänzt bräunlich durch Wortscheisse
und vervotztem Pornotalk. Ich sage mal was provo-cunt-es: geht Eure Hennen
ficken, Ihr eitrigen Fluchfetischisten-Ficker. Sonst kriegt Ihr ja nichts vor
Eure kleinkalibrige Wixflinte. Diese Worte sind nämlich vollkommen okay – wenn
man sie wirklich braucht. Wenn man sie IMMER benutzt, nutzen sie sich ab wie
Bremsbeläge, wenn man mit angezogener Handbremse auf der Autobahn 180 fährt
(geht, weiss ich zufällig, kostet 2.000 Euro, don’t try this at home). Und dann
hat man sie nicht mehr, wenn einem jemand unterkommt, der WIRKLICH ein Wixer
ist. Klar?
Sascha Lobo